Pflanzenschutz im Mittelpunkt
Regionale Pflanzenproduktion braucht entsprechenden Pflanzenschutz. Um sich auf den aktuellen Wissensstand zu bringen, untereinander zu vernetzen und über wissenschaftliche Erkenntnisse auszutauschen, wurde in Innsbruck eine internationale Fachtagung organisiert.
Drei Länder – ein Weg für die regionale Pflanzenproduktion! Unter diesem Motto trafen sich rund 60 Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Praxis und Beratung in Innsbruck. Hochkarätige Referent:innen gaben dabei Einblicke in ihre neuesten Erkenntnisse. Dabei wurde rasch klar: Pflanzenschutzmittel sind bestens erforscht und überwacht. Ganz im Gegensatz zu anderen Stoffen (Kosmetika, Reinigungsmittel, Medikamente), die ebenfalls zu Rückständen in Gewässern und Grundwasser führen.
Zukunftsfähiger Pflanzenschutz
Die Verfügbarkeit wirksamer Pflanzenschutzmittel in Europa nimmt seit Jahren kontinuierlich ab. Zwischen 2019 und 2026 wurde in der EU kein neuer chemisch-synthetischer Pflanzenschutzmittelwirkstoff mehr zugelassen, über 80 Wirkstoffe sind vom Markt verschwunden, unter anderem weil Genehmigungen nicht mehr verlängert wurden. Daher wurde im Rahmen der Tagung ein Papier verabschiedet, das eine Weiterentwicklung des europäischen Pflanzenschutzrechts hinsichtlich des Schutzes von Mensch und Umwelt sowie der praktischen Umsetzbarkeit fordert. Ohne einen Kurswechsel auf europäischer Ebene wird die regionale pflanzliche Produktion und damit auch die Lebensmittelversorgung der Menschen gefährdet. Unter anderem sollen eine risikobasierte Bewertung von Wirkstoffen in den Mittelpunkt gestellt und Zulassungsverfahren beschleunigt werden.
Im Gegensatz zu den Pflanzenschutzmitteln werden täglich für Industrie, Reinigung, Kosmetik und Medizin unzählige neue chemische Stoffe erfunden und auch zugelassen.
Landwirtschaft nicht alleinige Ursache
Am Nachmittag wurde der Blick noch einmal erweitert. Der Bochumer Universitätsprofessor Tobias Licha machte deutlich, dass Alltagschemie als stiller Gewässerkiller weitaus zu wenig erforscht ist. Als eines der Hauptprobleme nannte er Rückstände von Humanarzneimitteln. Auch Carolin Huhn von der Universität Tübingen stellte klar, dass Landwirtschaft nicht alleinig für Rückstände in Gewässern sowie Grundwasser verantwortlich ist. Sie konnte erst kürzlich beweisen, dass Waschmittelzusätze durch die Verarbeitung in Kläranlagen in Glyphosat umgewandelt werden. Ein Ergebnis, das für großes Aufsehen gesorgt hatte.