Urlaub am Bauernhof – ein Erfolgsmodell
Der Bäuerin beim Melken zuschauen oder frische Eier bei den Hühnern holen: So schaut mitunter eine Auszeit für Gäste bei „Urlaub am Bauernhof“ aus. Die bäuerliche Vermietung entwickelt sich für Bäuerinnen und Bauern zunehmend zu einem unverzichtbaren wirtschaftlichen Standbein. Die Landwirtschaft steht vor vielen Herausforderungen, sei es durch schwankende Marktpreise oder wetterbedingte Risiken. Daher ist es wichtig, dass sich Betriebe breit aufstellen: „Urlaub am Bauernhof ist ein Vorzeigebeispiel für erfolgreiche Diversifizierung am Hof“, so der Obmann von Urlaub am Bauernhof Tirol, Johann Hörtnagl. „Neben der Bewirtschaftung des Hofes erschließen sich für Familienbetriebe neue Einkommensmöglichkeiten zusätzlich zur Landwirtschaft und stärken damit ihre wirtschaftliche Basis. Gerade die junge Generation ist eher bereit, einen Hof zu übernehmen, wenn verschiedene Einkommensperspektiven aufgezeigt werden. Die bäuerliche Vermietung kann dabei einen wichtigen positiven Beitrag leisten.“ Im Durchschnitt erwirtschaften bäuerliche Vermietungsbetriebe rund 40 Prozent ihres Einkommens durch die Vermietung von Zimmern und Ferienwohnungen.
Zukunftschance Urlaub am Bauernhof
Eine Evaluierungsstudie von Joanneum Research im Auftrag des Landwirtschaftsministeriums zeigt, wie wichtig diese Einkommensquelle mittlerweile für die Landwirtschaft ist.
Von den 3.000 befragten Betriebsleiter:innen in ganz Österreich, die bäuerliche Vermietung anbieten, gab ein Drittel an, den Hof ohne Vermietung nicht mehr weiterführen zu können.
Zudem wird der ländliche Raum gestärkt. „Viele Urlaub am Bauernhof Betriebe befinden sich abseits der Tourismushochburgen. Mit diesem Betriebs-
zweig stellen wir sicher, dass unsere Kulturlandschaft weiter bewirtschaftet und gepflegt wird. Zudem bleiben die Dörfer belebt und die Gäste nutzen auch Infrastruktur und Dienstleistungen im Ort – also eine Win-win-Situation“, ist Hörtnagl überzeugt.
Stabile Buchungslage für den Sommer
Die aktuelle Buchungssituation für 2026 präsentiert sich insgesamt stabil auf dem Niveau des Vorjahres. „Besonders für die Monate Juli und August ist die Auslastung sehr gut“, freut sich Astrid Rollinger, Geschäftsführerin von Urlaub am Bauernhof Tirol. „Wie generell im Tiroler Tourismus besteht auch in unserem Sektor Potenzial in den Zwischensaisonen. Vor allem in den Randzeiten des Sommers, insbesondere im Mai, Juni sowie im September und Oktober könnten die Buchungen mehr sein. Für die Sommersaison 2026 wird die Entwicklung insgesamt aber verhalten positiv eingeschätzt“, so Rollinger.
Urlaub am Bauernhof in Tirol wächst weiter
Urlaub am Bauernhof entwickelt sich in Tirol weiterhin sehr erfreulich. Aktuell umfasst die Organisation 370 Mitgliedsbetriebe mit insgesamt rund 5.000 Gästebetten.
Die Betriebe zeichnen sich durch hohe Qualitätsstandards, authentische Urlaubserlebnisse und eine klare Positionierung aus. Besonders erfreulich ist die starke Gästebindung: Rund 40 Prozent der Gäste sind Stammgäste und kehren regelmäßig auf die Höfe zurück.
Deutschland, Niederlande und Österreich bleiben wichtigste Märkte
Die wichtigsten Herkunftsmärkte für die bäuerliche Vermietung sind nach wie vor Deutschland, die Niederlande und Österreich. Gäste aus diesen Ländern sorgen Jahr für Jahr für eine starke Nachfrage und eine gute Auslastung der Betriebe.
„Mit rund 140 Vollbelegungstagen pro Jahr erreichen die Vermietungsbetriebe eine sehr gute Auslastung. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer im Sommer liegt bei 6,4 Tagen und im Winter bei 5,6 Tagen“, sagt die Geschäftsführerin von Urlaub am Bauernhof in Tirol, Astrid Rollinger.
Gäste buchen kurzfristiger und vergleichen intensiver
Egal, ob Familienurlaub am Bauernhof, Auszeit am Strand oder Aktivurlaub – die Gäste buchen heute anders als noch vor ein paar Jahren. Entscheidungen werden oft erst kurzfristig getroffen: Fast die Hälfte aller Buchungen (48 Prozent) erfolgt innerhalb der letzten vier Wochen vor Reiseantritt. 19 Prozent der Gäste buchen sogar erst in der Woche vor der Anreise.
Gleichzeitig schauen Urlauber:innen genauer hin. Sie vergleichen Angebote intensiver, prüfen Bewertungen und achten stärker darauf, was im Preis enthalten ist. Obwohl rund 40 Prozent der Gäste bereit sind, mehr Geld für ihren Urlaub auszugeben, soll das Gesamtpaket stimmen. Gefragt sind daher attraktive Angebote, transparente Preise und eine klare Kommunikation. Die Lage der Unterkunft bleibt ein wichtiger Faktor, genauso wie ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Wer seine Besonderheiten verständlich und authentisch vermittelt, hat gute Chancen, auch die vielen kurzfristig entschlossenen Gäste für sich zu gewinnen. Denn heute wird zwar spontaner gebucht – die Entscheidung selbst fällt aber oft deutlich bewusster. Auch die Preisentwicklung verläuft positiv. Der durchschnittliche Preis für ein Urlaub am Bauernhof Zimmer mit Frühstück liegt aktuell bei 68 Euro pro Nacht und damit um 11,5 Prozent über dem Vorjahreswert. Für eine Ferienwohnung für vier Personen werden durchschnittlich 161 Euro verrechnet, was einem Zuwachs von fünf Prozent entspricht.
Erfolgsmodell mit Zukunft
Die aktuelle Entwicklung zeigt deutlich, dass Urlaub am Bauernhof Tourismus und Landwirtschaft erfolgreich miteinander verbindet. Die stabile Nachfrage, die hohe Stammgästequote und die wirtschaftliche Bedeutung für die Betriebe unterstreichen die zentrale Rolle der bäuerlichen Vermietung für die Zukunft der Tiroler Landwirtschaft.