Tirol – Land der Almen
Wo man in den Tiroler Talböden aktuell auch hinschaut, sieht man weidende Nutztiere. Ein großer Teil von ihnen verbrachte die vergangenen Monate auf den weitläufigen Almen. Dort begegneten den Bäuerinnen und Bauern sowie Hirt:innen heuer einige Herausforderungen. Dennoch gelang es, verfrühte Almabtriebe weitestgehend zu verhindern und Almprodukte von höchster Qualität herzustellen.
Mehrwert überzeugt
Tirol gilt als das Bundesland mit den meisten Melkalmen – 56 Prozent der in Tirol gehaltenen Milchkühe werden gealpt. Die 2.060 Almen erstrecken sich über 118.600 Hektar Almfutterfläche bzw. insgesamt über 380.000 Hektar Alm-Katasterfläche. Die Nutzung dieser Gebiete bildet nicht nur eine wesentliche Futtergrundlage für die einzelnen Betriebe, sondern trägt auch wesentlich zur Pflege der über Jahrhunderte gewachsenen Kulturlandschaft bei, welche den Grundstein für die touristische Nutzung der Almgebiete legt. Aber auch die Artenvielfalt profitiert von einer aktiven Almwirtschaft, da durch diese die wertvollen abwechslungsreichen und kleinstrukturierten Lebensräume erhalten bleiben.
Auswirkungen der Trockenheit
Besonders geprägt wurden die Sommermonate heuer von der langanhaltenden Trockenheit – sowohl im Tal als auch am Berg. In Tirol waren vor allem die östlich gelegenen Bezirke Kufstein und Kitzbühel betroffen. Hier versiegten einige Quellen, wodurch Wasser unter großem organisatorischem und finanziellem Aufwand auf die Almen transportiert werden musste. Für die Almbäuerinnen und -bauern
fielen dadurch zusätzliche Arbeitsstunden und Kosten an, hinzu kam die psychische Belastung, welche durch die laufende Sorge um die ausreichende Versorgung der Tiere entstand.
Schlussendlich blieben aber durch den Einsatz der Landwirt:innen und den Niederschlag zum Ende des Sommers auf den meisten Almen verfrühte Abtriebe aus. Zudem überzeugen die Tiroler Almprodukte trotz der Herausforderungen durch die Dürre mit einer ausgezeichneten Qualität.
Auf die Zukunft vorbereiten
Die Bäuerinnen und Bauern verfügen über umfangreiches Fachwissen, Praxiserfahrung und Improvisationsvermögen, um erfolgreich in und mit der Natur zu arbeiten. Es ist aber zu befürchten, dass der Klimawandel die bisher geltenden Regeln der Natur umschreiben und zu teils unvorhersehbaren und extremen Wetterereignissen führen wird. Aufgrund dessen muss bereits jetzt an Strategien gearbeitet werden, um auf Extremsituationen vorbereitet zu sein. Dazu gehören in punkto Dürrevorsorge Investitionen in Quellen, Speicher und Tränkeanlagen, denn eine verlässliche Wasserversorgung wird auch in Österreich zunehmend zum Schlüsselfaktor für die Landwirtschaft und damit für die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln. Die klimatischen Veränderungen führen zu notwendigen Anpassungsmaßnahmen, auch bei der Weidebewirtschaftung generell: Sie beinhalten den rechtzeitigen Almauftrieb, die Anpassung der Tierzahlen und die gelenkte Weideführung.
Wolfspräsenz verdreifacht
Zusätzlich zur Dürre erschwerte das Vorkommen von Wölfen die Bewirtschaftung der Almgebiete. Laut Angaben des Landes Tirol konnten heuer 114 Wolfsnachweise registriert werden – fast dreimal so viele wie noch im Vorjahr. Insgesamt wurden 36 Individuen, ein neues Wolfsrudel mit vier Welpen im Raum Fiss und ein bestehendes Rudel im Grenzgebiet Osttirol/Kärnten bestätigt. Elf Wölfe, welche durch die Annäherung an Siedlungsgebiete oder Nutztierrisse ein Risiko darstellten, wurden im Laufe des Jahres entnommen. (Stand 28. September 2026)
Der Almsommer 2026 verlangte den Betrieben insgesamt einiges ab – Wassermangel, Ernteeinbußen, Wolfspräsenz. Für eine erfolgreiche Weiterführung der Almwirtschaft braucht es daher Unterstützung für die Bäuerinnen und Bauern, welche bereits jetzt zukunftsorientierte Maßnahmen umsetzen.
Der Almsommer 2026 verlangte den Betrieben insgesamt einiges ab – Wassermangel, Ernteeinbußen, Wolfspräsenz. Für eine erfolgreiche Weiterführung der Almwirtschaft braucht es daher Unterstützung für die Bäuerinnen und Bauern, welche bereits jetzt zukunftsorientierte Maßnahmen umsetzen.