Projekt „Grünlandverbesserung – klimafitte Wiesen“ wird fortgesetzt und gefördert
Die bislang beispiellose Trockenheit und die daraus resultierenden Schäden im Grünland machen in diesem Jahr in vielen Regionen Tirols Verbesserungsmaßnahmen sowie die Neuanlage von Wiesen erforderlich.
Das vergangene Wirtschaftsjahr war von langanhaltenden Trockenperioden und außergewöhnlich hohen Temperaturen geprägt. Diese beiden Faktoren haben die Pflanzenbestände massiv belastet. Zahlreiche Wiesen sind stark ausgetrocknet, Untergräser fehlen vielerorts nahezu vollständig, und der Lückenanteil liegt häufig bei über 50 Prozent. Auf solchen Flächen können das Ertrags- und Qualitätspotenzial des Grundfutters bei Weitem nicht mehr ausgeschöpft werden. Um auch in den kommenden Jahren ausreichend hochwertiges Grundfutter ernten zu können, sind noch im Herbst sowie im nächsten Jahr gezielte Maßnahmen zur Grünlandverbesserung unbedingt notwendig. Das Land Tirol unterstützt daher, wie bereits in den vergangenen Jahren, das Projekt „Grünlandverbesserung – klimafitte Wiesen“.
Projektstart sofort
In den vergangenen Wochen wurde intensiv über mögliche Unterstützungsmaßnahmen zur Bewältigung der Dürreschäden beraten und verhandelt. Der Kammerführung ist es dabei erneut gelungen, Fördermittel für die Fortsetzung des bereits im Jahr 2021 gestarteten Projekts sicherzustellen. Gerade heuer befinden sich viele Felder und Wiesen in einem äußerst schlechten Zustand. Die Erträge der Sommerschnitte liegen unter dem Durchschnitt oder sind teilweise sogar vollständig ausgefallen. Um hier rasch Abhilfe zu schaffen, konnte in konstruktiven Gesprächen mit den Verantwortlichen des Landes eine geförderte Nachsaataktion vereinbart werden. Im Rahmen dieser Maßnahme werden die Nachsaat und umbruchlose Neuansaat (Umkehrfräse) von Dauergrünlandbeständen gefördert. Die Teilnahme an der Nachsaataktion ist ab sofort möglich, die Antragstellung erfolgt ausschließlich über den örtlich zuständigen Maschinenring. Bei Fragen stehen die Grünlandreferenten sowie die Beratungskräfte der Bezirksstellen gerne zur Verfügung.
Förderungsvoraussetzungen und Abwicklung
- Gefördert werden die Nachsaat und umbruchlose Neuansaat (Umkehrfräse) von Dauergrünlandbeständen; keine Förderung für Wechselwiesen oder Ackerfutterflächen
- Verwendung von standort- und nutzungsgerechten Qualitätsmischungen (ÖAG-Qualität oder Mischungen nach dem österreichischen Mischungsrahmen)
- Nach Maßgabe der Verfügbarkeit von Landesmitteln erfolgt die Förderung durch Gewährung eines Zuschusses je Hektar verbesserter Grünlandfläche. Der Zuschuss je Hektar beträgt für Nachsaat bzw. umbruchslose Neueinsaat 220 Euro.
- Flächen müssen zwei- oder Mehrnutzungsflächen sein
- Antragstellung mit Flächenangabe ausschließlich direkt beim örtlich zuständigen Maschinenring (MR) bis spätestens 30. September 2026.
- Unterstützt werden auch Nachsaaten in Eigenmechanisierung bzw. durch Maschinengemeinschaften; die Antragstellung und Abrechnung erfolgen ebenfalls ausschließlich über den MR.
- Bereits durchgeführte Nachsaaten können auch rückwirkend bis 1. August 2026 gefördert werden, wenn die Fördervoraussetzungen vorliegen (Vorlage von Saatgut-Rechnungen erforderlich). Auch hier ist die Antragstellung beim MR erforderlich.
- Teilnahme an einer Bildungsmaßnahme des LFI Tirol zur Grünlandbewirtschaftung
- MR übernimmt die Verrechnung mit dem Land. Im Rahmen der Rechnungslegung wird die Landesförderung als „Förderung Land Tirol“ betragsmäßig ausgewiesen.
- Grundsätzlich muss biologisches Saatgut verwendet werden. Falls dieses nicht verfügbar ist, muss vor der Aussaat bei der jeweiligen Bio-Kontrollstelle ein Ansuchen samt Begründung für die Verwendung von konventionellem Saatgut gestellt werden.
Bestandserhebung und Lenkung des Bestandes
Neben einer notwendigen Lückenschließung können mit Nachsaaten wünschenswerte Futtergräser eine Rolle im Bestand festigen, welche ansonsten meist von unerwünschten, konkurrenzkräftigen Arten übernommen wird. Nachsaaten mit einem hohen Anteil an Leguminosen fördern die Stickstoff- und Nährstoffversorgung im Grünland. Wird hauptsächlich mit einer Silagenutzung gearbeitet, ist ein hoher Anteil an Gräsern anzustreben. Bei Beweidung sollten verstärkt Weidegräser, wie Wiesenrispengras und englisches Raygras als Partner im Grünland gewählt werden. Um zukünftig gegen Trockenperioden und Hitzetage besser gewappnet zu sein, sollte auch vermehrt auf trockenresistente Sorten, wie Knaulgras, Wiesenschweidel, Rotklee oder auch Glatthafer gesetzt werden.
Welche Saatgutmischung?
Die Wahl der richtigen Saatgutmischung entscheidet über die spätere Futterqualität. Nachdem wichtige Faktoren – beispielsweise Nutzungsintensität, Nutzungsart, Lage des Bestandes und vorhandener Bestand – ermittelt wurden, kann die optimale Mischung gewählt werden. Bei der Bestimmung des Saatgutes sollte auf Ampferfreiheit, Reinheit, Keimfähigkeit und Ausdauer geachtet werden. Für Bio-Betriebe gilt, dass bei Verfügbarkeit des entsprechenden Bio-Saatguts dieses auch eingesetzt werden muss. Andernfalls ist eine Genehmigung bei der Bio-Kontrollstelle einzuholen. Welche Mischung für welchen Grünlandbestand geeignet ist, kann mithilfe der Mischungssuche Österreich der ÖAG bestimmt werden (www.gruenland-viehwirtschaft.at/saatgut/mischungssuche-oesterreich).
Fazit
Angesichts der zunehmenden Herausforderungen durch Trockenheit und Hitze gewinnt die gezielte Grünlandverbesserung weiter an Bedeutung. Durch rechtzeitige Nachsaaten, standortgerechte Saatgutmischungen und die angebotene Förderung können Betriebe die Ertragsfähigkeit ihrer Wiesen nachhaltig sichern und die Anpassung an künftige Klimabedingungen aktiv unterstützen.