Kammerräte trafen sich zur Vollversammlung
Präsident Josef Hechenberger eröffnete die Vollversammlung und konnte neben den gewählten Kammerrätinnen und Kammerräten auch zahlreiche Ehrengäste begrüßen, darunter LH-Stv. Josef Geisler, Ehrenringträgerin Resi Schiffmann, Ehrenringträger Richard Norz, Ehrenzeichenträger Otmar Kronsteiner, Maschinenring-Landesobmann Christian Angerer, SVS-Vorsitzender Hannes Partl und LKF-Geschäftsführer Thomas Danzl.
Präsident Hechenberger hob zu Beginn seines Berichtes die zahlreichen gelungenen Veranstaltungen im Frühjahr hervor, die einmal mehr eine eindrucksvolle Leistungsschau der Tiroler Landwirtschaft darstellten.
Als aktuelles, zentrales Thema nannte er die extreme Trockenheit, welche die Landwirtschaft zunehmend vor Herausforderungen stellt. In diesem Zusammenhang wurde auf die Notwendigkeit verwiesen, verstärkt in die Forschung an trockenheitsresistentem Saatgut zu investieren sowie den Ausbau von Bewässerungssystemen voranzutreiben. Gleichzeitig sei auch politische Unterstützung dringend erforderlich, um diese Maßnahmen nachhaltig umsetzen zu können.
Die gestiegenen Beiträge zur SVS wurden ebenfalls thematisiert. Diese basieren auf gesetzlichen Grundlagen, wobei zwei Drittel der Beiträge direkt dem Pensionskonto zugutekommen. Ein Vergleich mit Deutschland zeigt deutlich, dass die Pensionen von Bäuerinnen und Bauern in Österreich erheblich unterschiedlich ausfallen. Positiv hervorgehoben wurde, dass ein Großteil der Beitragserhöhung von der öffentlichen Hand getragen wird.
Anpassungen in Aussicht gestellt
Ein wichtiger Meilenstein wurde mit der Novellierung des Jagdgesetzes erreicht, die nach zahlreichen Herausforderungen nun in die finale Phase gegangen ist. Auch die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) bleibt ein zentrales Thema. Die Sicherstellung ausreichender finanzieller Mittel wird als große Herausforderung gesehen. Die Unterstützung durch den Agrardiesel in Höhe von rund 50 Millionen Euro jährlich wird als wichtige Entlastung gewertet. Gleichzeitig wurde vom Präsidenten betont, dass Budgetkürzungen von 20 Prozent nicht akzeptabel seien. Vielmehr brauche es eine Aufstockung der Mittel, um die Landwirtschaft nicht weiter unter Druck zu setzen. In diesem Zusammenhang wurde eindringlich vor einer steigenden Importabhängigkeit gewarnt und darauf hingewiesen, dass die Lebensmittelproduktion einer der wenigen Sektoren sei, der noch nicht ausgelagert wurde. Abschließend bedankte sich der Präsident bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für ihren unermüdlichen Einsatz.
Bäuerinnen im Schwerpunktjahr
Vizepräsidentin Helga Brunschmid berichtete über das Internationale Jahr der Bäuerinnen, dessen zahlreiche Initiativen auf großes Interesse stoßen. Besonders positiv sei die strukturierte Zusammenarbeit auf Bundes-
ebene hervorzuheben. Auch Veranstaltungen wie der Frauenlauf mit 110 Teilnehmerinnen leisten einen Beitrag dazu, dass Bäuerinnen zunehmend über ihre eigenen Netzwerke hinaus sichtbar werden.
Brunschmid berichtete außerdem über eine kürzlich veröffentlichte Studie der NTÖ (Nutztierhaltung Österreich), die sich mit dem Selbst- und Fremdbild der Bäuerinnen und Bauern auseinandersetzt. Nach wie vor befindet sich die Landwirtschaft nach den Ärzt:innen auf Platz 2 der Liste jener Berufe, welche die Gesellschaft für unverzichtbar hält. 45 Prozent der Bevölkerung interessieren sich aktiv für landwirtschaftliche Themen, zugleich glauben Landwirt:innen, dass sich nur rund elf Prozent für ihre Arbeit interessieren. Die Studie macht deutlich: Nicht die Wertschätzung ist das Problem, sondern der fehlende Einblick in die tägliche Realität der Höfe. Vor allem bei Lebensmittelqualität, Herkunft und Tierwohl ist das gesellschaftliche Interesse groß und der Wunsch nach mehr Transparenz und direkter Kommunikation klar erkennbar.
Auch im Biobereich wurde kürzlich eine Umfrage abgeschlossen. Während der Mehrfachantragstellung wurden alle Tiroler Biobetriebe zu ihren Zukunftseinschätzungen befragt. Zwar lag die Teilnahmequote bei beachtlichen 59 Prozent, die inhaltlichen Rückmeldungen waren aber weniger positiv: 15 Prozent der Betriebe planen, aus der biologischen Wirtschaftsweise auszusteigen. Hauptkritikpunkte waren der hohe bürokratische Aufwand und zahlreiche Auflagen.
Der Kammerdirektor Ferdinand Grüner berichtete über personelle Veränderungen, insbesondere im Fachbereich Spezialkulturen und Markt, wo Wendelin Juen in den Ruhestand geht und Ulrich Zeni als Nachfolger vorgestellt wurde. Zudem gab er einen Überblick über den Umsetzungsstand der Vision 2028+, die Schwerpunkte in den Bereichen Produktion und Markt, Klimaschutz als Chance, Kommunikation sowie Bildung und Diversifizierung setzt. Erste konkrete Maßnahmen wurden bereits gesetzt, die laufenden Entwicklungen werden genau beobachtet, um nach Möglichkeit schnell reagieren zu können. Ein weiterer Fokus liegt auf den kommenden Wahlen – der Bäuerinnenwahl 2026 und der Landwirtschaftskammerwahl 2027. Ziel ist eine hohe Wahlbeteiligung. In diesem Zusammenhang wird derzeit intensiv an der Erstellung der Wählerverzeichnisse gearbeitet. Künftig werden erstmals auch Altbäuerinnen und Altbauern wahlberechtigt sein. Eine entsprechende Novelle befindet sich bis 19. Mai in Begutachtung und soll im Juli im Landtag beschlossen werden. Neue Kriterien, wie der Hauptwohnsitz am Hof, sowie verschiedene Datenquellen – darunter MFA, SVS und Gemeindedaten – spielen dabei eine wesentliche Rolle. Abschließend wurde ein Resolutionsentwurf vorgestellt, der unter anderem die GAP, die Herkunftskennzeichnung, Vereinfachungen bei Aufzeichnungspflichten im Pflanzenschutz sowie die Verhinderung von Schenkungs- und Erbschaftssteuern umfasst. Finanzreferent Alexander Berger präsentierte den sehr positiven Jahresabschluss 2025. Die Vorsitzende des Kontrollausschusses, Brigitte Amort, berichtete von den durchgeführten Prüfungen. Sämtliche Konten, Bestände und die Bilanz wurden überprüft. Es wurden keine Unregelmäßigkeiten festgestellt, weshalb der Rechnungsabschluss einstimmig genehmigt wurde. Als Verbesserungsvorschläge wurden unter anderem die Optimierung bestehender Darlehen, ein jährlicher Umsetzungsbericht zur Vision sowie eine verstärkte Nutzung der E-Paper-Zustellung genannt, um Einsparungspotenziale zu nutzen.