Hühnermast: Aufbruchstimmung in Geflügelbranche
Die Europäische Kommission erwartet in einer im Dezember veröffentlichten Prognose ein moderates, aber stetiges Wachstum der Geflügelfleischerzeugung in der EU. Nach leichten Rückgängen 2021 und 2022 hat sich die Produktion stabilisiert und dürfte 2025 rund 14,36 Millionen Tonnen erreichen – ein Plus von 1,8 Prozent gegenüber 2024. Für den Zeitraum bis 2035 wird ein jährlicher Zuwachs von etwa 0,4 Prozent erwartet, sodass die Erzeugung bis dahin auf 14,91 Millionen Tonnen steigen könnte. Damit bleibt Geflügel die einzige Fleischkategorie mit Wachstumspotenzial, denn die gesamte EU-Fleischproduktion wird voraussichtlich um 4,1 Prozent sinken.
Begehrtes Fleisch
Parallel dazu dürfte auch der Verbrauch leicht steigen – stärker als das Gesamtvolumen, da die EU Bevölkerung in den kommenden Jahren schrumpft. Der Pro Kopf Verbrauch dürfte demnach von 28,2 Kilogramm (2025) auf erwartete 30,6 Kilogramm im Jahr 2035 steigen.
Die Handelsströme sollen nach der Prognose lebhafter werden: Sowohl Importe (2025: 830.000 Tonnen – 2035: 955.000 Tonnen) als auch Exporte (2025: 2,01 Millionen Tonnen – 2035: 2,12 Millionen Tonnen) nehmen zu. Trotz höherer Einfuhren bleibt die EU aber klarer Nettoexporteur. Der Selbstversorgungsgrad liegt weiterhin deutlich über 100 Prozent und bleibt bis 2035 relativ stabil (2025: 109 Prozent, 2035: 108 Prozent). Insgesamt zeigt der EU Geflügelmarkt damit ein stabiles Produktionswachstum, steigende Nachfrage und eine zunehmende Handels-tätigkeit.
Heimische Situation
Am österreichischen Markt liegen die Geflügelschlachtungen derzeit rund drei Prozent über dem Vorjahr und die Marke von 100 Millionen Tieren wurde 2025 erneut überschritten. Im Bereich Elterntiere herrscht europaweit ein Mangel an Bruteiern, verstärkt durch Vogelgrippe, Bestandsabbau in den Niederlanden und eine steigende EU-Hühnerfleischproduktion. International wirkt sich die Vogelgrippe je nach Sparte unterschiedlich aus. Insgesamt bleibt die Versorgung gedeckt, wenngleich es saisonal zu regionalen Engpässen kommen kann. In Österreich hat sich das stabile Vertragssystem, besonders für Tierwohlmodelle, bewährt. Der Selbstversorgungsgrad für Hühnerfleisch in Österreich lag 2024 bei 81 Prozent, bei einem Pro-Kopf-Verbrauch von 18,2 Kilogramm. 2021 waren es noch 16,1 Kilogramm verbrauchtes Hühnerfleisch.
Investitionen nötig
In Summe dürften in Österreich etwa 1,2 Millionen konventionelle und 500.000 Bio-Maststallplätze zusätzlich benötigt werden, um die verstärkte Nachfrage in diesem Bereich bedienen zu können. Jede Weiterentwicklung eines Betriebes braucht eine fundierte und solide Planung, um Möglichkeiten und Risiken der Entwicklung klar darzustellen. Möchte ein Betrieb in den Bereich der Geflügelhaltung einsteigen oder diesen Zweig weiterentwickeln, muss also umfassend geplant werden.
Ganzen Betrieb betrachten
Wichtig ist in jedem Fall eine für den Zweig Geflügelhaltung und eine gesamtbetriebliche rechnerische Planung der Wirtschaftlichkeit und Finanzierbarkeit auf einen langen Zeitraum hin! Die Betrachtung nur eines – möglicherweise erfolgreichen – Betriebszweiges heißt noch lange nicht, dass der Gesamtbetrieb, mit weiteren Betriebszweigen, wirtschaftlich und finanzierbar sein muss.
Recht, Steuern, Sozialversicherung
Eine umfängliche Planung muss auch immer vollständig und weitreichend erfolgen. Neben der Wirtschaftlichkeits- und Finanzierungsplanung müssen unbedingt auch rechtliche, insbesondere steuerrechtliche und sozialversicherungsrechtliche Auswirkungen erfasst werden. Arbeitsplanungen dienen der laufenden Bereitstellung von Arbeitskräften, ohne Überlastung und Engpässen. Tierhaltung bringt immer auch die Frage der Wirtschaftsdüngerlagerung und -ausbringung mit sich und unterliegt ebenfalls einem Planungserfordernis.
Pläne wälzen
Wichtig ist darüber hinaus, dass Planungen rechtzeitig erfolgen. Das heißt, der Planungsprozess sollte im Weiterentwicklungsprozess eines Betriebes möglichst früh starten. Planungen müssen auch immer wieder angepasst werden. Die vergangenen Jahre haben aber auch gezeigt, dass Planung zwar grundsätzlich sehr wichtig ist, immer wieder aber auch Ereignisse eintreten, die schwer zu planen sind – Veränderungen auf Märkten, bei Investitionskosten, Teuerungen/Inflation, Zinsniveaus, uvm. Das heißt: jeder Betrieb trägt schlussendlich ein unternehmerisches Risiko, das in einer betriebswirtschaftlichen Planung bewertet und berücksichtigt werden muss.
Beratung
Die Landwirtschaftskammer unterstützt Sie gerne in der Weiterentwicklung Ihres Betriebes und in der betriebswirtschaftlichen Planung!