Erneuerbare Energie um jeden Preis?
Auf einer 15 Hektar großen landwirtschaftlichen Vorsorgefläche in Mils plant ein Unternehmer aus der Region, eine Photovoltaikanlage zu errichten. Zum Einsatz kämen senkrechte Paneele mit einer Höhe von drei Metern. Der Projektwerber, welcher die Fläche aktuell an Gemüsebauern verpachtet hat, ist überzeugt, dass durch die Bauweise mit neun Metern Abstand zwischen den Paneelreihen der Gemüseanbau nach wie vor möglich sei. Aus seiner Sicht bringe die Anlage durch die Beschattung und den Schutz vor Wind sogar Vorteile für empfindliche Kulturen.
Anders sehen das die Ortsbauernschaft sowie die Bürgermeisterin. Für sie steht der Schutz wertvoller landwirtschaftlicher Produktionsflächen und des Landschaftsbildes im Vordergrund. Ortsbauernvertreter betonen in diesem Zusammenhang die Bedeutung freier landwirtschaftlicher Nutzflächen als Grundlage für eine effiziente Bewirtschaftung und Lebensmittelproduktion. Sie befürchten Einschränkungen bei der Feldarbeit, außerdem weisen sie auf das zusätzlich entstehende finanzielle Risiko hin, wenn es durch die Bewirtschaftung der Flächen zu Schäden an der PV-Anlage kommen sollte.
Schutz von Produktionsflächen
Auf die Seite der ortsansässigen Landwirt:innen und Regionalpolitikerin stellt sich auch die Landwirtschaftskammer Tirol. Die bereits 2022 verabschiedete Resolution zu Photovoltaikanlagen hat nach wie vor Gültigkeit.
Der Umstieg auf erneuerbare Energien wird seitens der Kammer selbstverständlich unterstützt, der Schutz der in Tirol ohnehin begrenzt vorhandenen landwirtschaftlichen Produktionsflächen hat allerdings oberste Priorität. Gefordert wird daher, dass zunächst gebäude- und betriebsintegrierte Potenziale, wie Dachflächen, Mauern oder Zäune, zur Nutzung der Solarenergie ausgeschöpft werden. Aufbauend darauf können weitere nicht- oder unproduktive Flächen für Photovoltaikprojekte herangezogen werden. Solche Flächen sind beispielsweise Böschungen, Verkehrsflächen, Park- und Lagerplätze oder Gewerbebrachen. In jedem Fall abzulehnen ist eine Verbauung produktiver Äcker und Wiesen, zumal bei den zuvor genannten Beispielen noch genügend Ausbaupotenzial besteht.
Energiewende unterstützen
Um die Energiewende sinnvoll voranzutreiben, spricht sich die Landwirtschaftskammer für die Optimierung der dafür nötigen Rahmenbedingungen aus. Dazu zählen der Netzausbau und die Schaffung fairer Netzzugangsbedingungen für den ländlichen Raum, um PV-Anlagen auf Hofstellen in der Praxis flächendeckend umsetzen zu können. Hier sind der Landesenergieversorger TIWAG und die TINETZ gefordert, welche die entsprechenden Investitionen umsetzen und interessierte Partnerbetriebe unterstützten sollten. Darüber hinaus sind für den Einstieg in die Solarenergie klare und stabile Rahmenbedingungen notwendig, die Planungs-, Investitions- und Umsetzungssicherheit für PV-Anlagen auf Dachflächen und unproduktiven Flächen gewährleisten müssen.
Diese konkreten Maßnahmen würden wesentlich dazu beitragen, den Umstieg auf erneuerbare Energien zu beschleunigen, ohne gleichzeitig die Ernährungssicherheit durch die Verbauung wertvoller landwirtschaftlicher Böden zu gefährden. Da zudem anderweitig, etwa auf Parkplätzen oder Dachflächen, noch großes Ausbaupotenzial vorhanden ist, wird der Bau von Photovoltaikanlagen auf landwirtschaftlichen Vorsorgeflächen mit höchster Bonität aus Sicht der Landwirtschaftskammer weiterhin strikt abgelehnt.