Dürre als prägender Faktor
Die Vegetationsperiode 2026 stand im Zeichen der Trockenheit. Die Tiroler Bäuerinnen und Bauern konnten aber trotz allem zufriedenstellende Erntemengen und sehr gute Qualitäten bei Obst, Gemüse, Ackerfrüchten und den Zierpflanzen erzielen. Gelitten hat das Grünland.
Am Puls der Zeit
Ein Blick auf die Erntebilanz zeigt, dass Tirols Landwirtschaft widerstandsfähig ist. Vor allem im Obst-, Gemüse- und Weinbau setzen viele Betriebe auf modernste Technik und Know-how, um die Kulturen gut durch Wetterextreme zu bringen.
Zusätzlich wird die Auswahl der Kulturen und Sorten sowie die Bewirtschaftung der Flächen verstärkt an den Standort und die veränderten klimatischen Bedingungen angepasst. In mehrjährigen Kulturen, wie auch dem Grünland, dauert ein solcher Wandel länger, weshalb hier die größten Schäden durch die Dürre entstanden.
„Die Arbeit unserer Bäuerinnen und Bauern ist von Motivation, Innovation sowie fachlichem Know-how geprägt. Um die Landwirtschaft in unserer Region zu erhalten, braucht es neben Bildungs- und Beratungsangeboten auch passende gesetzliche Rahmenbedingungen. Unsere Höfe stehen bereits vor großen klimatischen und wirtschaftlichen Herausforderungen. Zusätzliche Hindernisse durch bürokratischen Wildwuchs und praxisfremde Bewirtschaftungsvorschriften sind absolut fehl am Platz“, so LK-Präsident Josef Hechenberger.
Direktvermarktung boomt
Während beim Gemüse 80 Prozent über den Lebensmittelhandel vermarktet werden und auch für Milch und Milchprodukte der Handel ein wichtiger Partner ist, spielt bei Erdäpfeln der direkte Absatz die Hauptrolle. Laut einer aktuellen Studie gewinnt die Direktvermarktung insgesamt an Bedeutung. Ulrich Zeni, Fachbereichsleiter Spezialkulturen und Markt: „Die Betriebe sehen sich einerseits mit hohen Kosten in Bezug auf Betriebsmittel und Energie sowie hohen Lohn- und Lohnnebenkosten konfrontiert. Andererseits werden die qualitativ hochwertigen Lebensmittel oft nicht entsprechend bezahlt. Immer mehr Betriebe setzen daher auf die Direktvermarktung der Produkte, um mehr Wertschöpfung am Hof zu halten. Daher liegt ein Schwerpunkt unseres Fachbereichs auf der Direktvermarktung – hier stehen wir den Landwirtinnen und Landwirten ebenso beratend zur Seite, wie in der Anbauberatung auf den Feldern und den Glashäusern.“
Im vergangenen Jahr zeigte sich, dass die widerstandsfähige, kleinstrukturierte und breit aufgestellte Tiroler Landwirtschaft auch in schwierigen Situationen die Lebensmittelproduktion sicherstellen kann. Damit das auch in Zukunft so bleibt, unterstützt die Landwirtschaftskammer Maßnahmen zur Verbesserung der Wirtschaftlichkeit und der Anpassung an den Klimawandel.
Grünland
Ein Großteil der landwirtschaftlichen Fläche in Tirol wird als Grünland genutzt. Die langanhaltende Trockenheit und die Hitze führten auf diesen Flächen in Nordtirol zu Ertragseinbußen von 20 bis 50 Prozent, in Osttirol waren es bis zu 70 Prozent. Zwar ist das Heu meist sauber und weist teilweise gute Energiegehalte auf, der Eiweißgehalt fällt allerdings gering aus und auch die Mineralstoffgehalte sind niedrig. Durch die Ertrags- und Qualitätseinbußen müssen viele Betriebe Futter zukaufen. Im Vergleich zum Vorjahr kam es daher zu Preissteigerungen von 40 bis 50 Prozent bei Heu und Grassilageballen, Maissilageballen werden um 16 bis 20 Prozent teurer gehandelt.
Almwirtschaft
Aufgrund der ausbleibenden Niederschläge wurde der Grasnachwuchs auf den Almflächen zwischenzeitlich immer wieder unterbrochen, wodurch die Weideplanung besonders anspruchsvoll war. Vereinzelt musste die Zufütterung im Stall erhöht werden, frühzeitige Almabtriebe aufgrund von Futtermangel konnten durch den späten Niederschlag aber größtenteils noch vermieden werden. Problematischer gestaltete sich die Wasserversorgung, insbesondere in den Bezirken Kufstein und Kitzbühel. Teilweise musste unter hohem Zeit- und Kostenaufwand Wasser vom Tal auf die Almen transportiert werden.
Die vielerorts noch erhältlichen Almprodukte überzeugen trotz der Herausforderungen in der Produktion mit hoher Qualität.
Gemüsebau
In Tirol bauen 120 Betriebe auf einer Fläche von 1.700 Hektar Gemüse an. Der Bio-Anteil liegt bei rund zehn Prozent.
Die Hauptkulturen sind Kohlgemüse, Salat, Karotten, Radieschen, Bundzwiebeln und Lauch. Auch der Melonenanbau hat sich in Tirol etabliert. Besonders hervorzuheben sind die Radieschen: Auf 180 Hektar werden jährlich Erntemengen von 3.960 Tonnen erzielt – jedes zweite Radieschen auf den Tellern kommt aus Tirol.
Frostereignisse, lange Trockenphasen und punktuelle Starkregenereignisse wirkten sich im heurigen Anbaujahr sehr wohl auf den Gemüsebau aus. Zusätzliche Pflegemaßnahmen wie die Bewässerung erhöhten Arbeits- und Kostenaufwand, konnten aber eine durchaus gute Ernte gewährleisten. Profiteure der hohen Temperaturen waren Tomaten, Melanzani, Paprika und Zucchini, die im Vergleich zu den vergangenen Jahren etwas höhere Erträge brachten.
Obstbau
Rund 80 Familienbetriebe bewirtschaften etwa 200 Hektar Obstfläche. Auf 50 Prozent dieser Fläche wachsen Äpfel. Zweitwichtigste Obstart ist die Erdbeere (30 ha), gefolgt von Zwetschke (25 ha) und Birne, Marille, Kirsche und Beerenobst (jeweils ca. 10 ha).
Trotz früher Blüte konnten Frostschäden durch Schutzmaßnahmen größtenteils verhindert werden. Gezielte und punktgenaue Bewässerung federte die Trockenperioden ab, sodass die Erntemenge zufriedenstellend ist.
Die Ausfärbung von frühen Apfelsorten ist aufgrund des frühen Erntebeginns etwas geringer ausgefallen. Zuckergehalt und Aromabildung wurden hingegen positiv durch die Witterung beeinflusst. Bei Kulturen im geschützten Anbau (Bsp. Himbeere, Brombeere) kam es durch Hitzespitzen teilweise zu Ertrags- und Qualitätseinbußen.
Eine große Herausforderung beim Kernobst stellte die Pflanzenseuche Feuerbrand dar, welche heuer wieder stark auftrat. Intensive Sanierungsarbeit und Rodungen einzelner Baumgruppen waren die Folge. Wichtig ist jetzt eine genaue Kontrolle der Bäume sowie die Krankheitsbekämpfung. Insgesamt steht den Konsument:innen heuer wieder qualitativ und geschmacklich hochwertiges, heimisches Obst in ausreichender Menge zur Verfügung.
Ackerbau
Die Vegetationsperiode 2026 (1. Februar bis 15. September) brachte in den Ackerbauregionen Tirols ein Niederschlagsdefizit von rund zwölf Prozent gegenüber dem 30-jährigen Mittel. Herausfordernd waren insbesondere die Verteilung der Niederschläge und die ausgedehnten Hitzeperioden.
Die Anbaufläche von Silomais im Jahr 2026 beträgt 3.132 Hektar. Als C4-Pflanze kann Mais hohe Temperaturen und intensive Sonneneinstrahlung effizienter nutzen und zeitweise Wasserknappheit vergleichsweise gut überdauern. Die Silomais-
erträge liegen dennoch leicht unter dem Schnitt der vergangenen Jahre. Eine abschließende Beurteilung von Ertrag und Qualität ist noch ausständig, da die Ernte erst kürzlich richtig startete.
Heuer wurden 757 Hektar Getreide angebaut, (+20 ha zum Vorjahr). Der Anbau von Wintergetreide gewinnt aufgrund der Nutzung der Bodenfeuchtigkeit in den Wintermonaten gegenüber dem Sommergetreideanbau immer mehr an Bedeutung. Die Druschbedingungen waren sehr günstig. Die Erträge sind leicht unterdurchschnittlich, je nach Bodenqualität und Düngung gibt es große Unterschiede auf den Flächen.
Erdäpfel
Die Anbaufläche für Erdäpfel hat sich im Vergleich zu 2025 um neun Prozent auf 394 Hektar reduziert. Dieser Trend ist europaweit festzustellen. Die Erträge liegen auf einem leicht unterdurchschnittlichen Niveau. Herausforderungen ergaben sich insbesondere durch Wachstumsrisse sowie vermehrten Wiederaustrieb im Boden, der infolge der hohen Temperaturen auftrat und die Qualität der Knollen beeinträchtigen kann. Rund zwei Drittel der produzierten Menge werden direkt vermarktet.
Weinbau
Derzeit gibt es in Tirol eine Wein-
anbaufläche von zirka 35 Hektar und zwölf Weinbaubetriebe. Der Weinbau blieb weitestgehend von Frostschäden verschont. Durch das tief reichende Wurzelsystem konnten die Reben die knappe Wasserversorgung gut ausgleichen. Im Herbst haben die Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht die Aromatik der Beeren besonders ausgeprägt. Durch die trockene Witterung sind die Trauben gesund in den Herbst gekommen. Pilzkrankheiten, welche zum Wachstum viel Feuchtigkeit benötigen, waren die Verlierer der Saison. Eine endgültige Qualitätsbeurteilung des Jahrganges kann im Frühjahr, kurz vor dem Abfüllen der Weine, gemacht werden. Die Tiroler Winzer sehen den Jahrgang 2026 sehr positiv.
Zierpflanzenbau
In Tirol produzieren über 40 Gärtnereien auf zirka 20 Hektar Blumen, Kräuter und Gemüsepflanzen. Sie sind außerdem der größte Lehrlingsausbilder der landwirtschaftlichen Berufsgruppe.
Die Absätze an Frühlingsblühern, Kräutern und Gemüsepflanzen waren sehr gut, der Verkauf von Sommerblumen verlief zufriedenstellend. Beet- und Balkonblumen sind mit 70 Prozent wichtigster Umsatzträger. Insgesamt konnten 2,3 Mio. Violen, 1,2 Mio. Geranien und rund 120.000 Weihnachtssterne produziert werden.
Sonne und milde Witterung zum Saisonstart, ein Wetterumschwung mit Regen und Nachtfrösten zum Muttertag und die herausfordernde sommerliche Hitzeperiode prägten das Gärtnerjahr.
Obwohl Schädlinge wie Wanzen und Zikaden vom Klimawandel profitieren, konnten die Pflanzen durch das Know-how der Gärtner:innen und modernste Produktionsmethoden gesund erhalten werden. Die LK unterstützt das intensive Monitoring zur Früherkennung, den Einsatz von Nützlingen und steht beratend zur Seite.