Wintergerste im Herbst düngen - ja oder nein?
Entsprechend der Nitrat-Aktionsprogramm-Verordnung (NAPV) ist das Ausbringen von leichtlöslichen stickstoffhaltigen Düngemitteln bei Gerste (gleiches gilt für Raps und Zwischenfrüchte) bis längstens 31. Oktober erlaubt, sofern der Anbau bis 15. Oktober erfolgt ist.
Bei Teilnahme am ÖPUL-"Vorbeugender Grundwasserschutz-Acker“ (GRUNDWasser 2030 - in Oberösterreich!) beginnt das Verbot heute, am 15. Oktober.
Bei Teilnahme am ÖPUL-"Vorbeugender Grundwasserschutz-Acker“ (GRUNDWasser 2030 - in Oberösterreich!) beginnt das Verbot heute, am 15. Oktober.
Die Herbstdüngung von Wintergerste ist ein pflanzenbaulicher Zielkonflikt: Einerseits soll sich die Kultur vor dem Winter ausreichend entwickeln, andererseits können überschüssige Stickstoffmengen das Grundwasser - gerade bei durchlässigen, leichten Böden - belasten. Doch braucht die Wintergerste im Herbst tatsächlich zusätzlichen Stickstoff? Versuchsergebnisse zeigen, dass eine pauschale Düngung häufig keinen entscheidenden Mehrertrag bringt. Nicht aufgenommener Stickstoff kann als Nitrat mit dem Sickerwasser in tiefere Bodenschichten gelangen. Besonders auf durchlässigen Böden und bei hohen Niederschlägen steigt das Auswaschungsrisiko. Deshalb sollte vor jeder Herbstdüngung die tatsächliche Versorgung beurteilt werden.
Wichtige Kriterien sind:
- Vorfrucht und deren Stickstoffnachlieferung
- Bodenversorgung und organische Düngung
- Entwicklungszustand des Bestandes
- Witterung und erwartete Nährstoffaufnahme
Wintergerste besitzt im Vergleich zu anderen Wintergetreidearten eine hohe Entwicklungsgeschwindigkeit im Herbst. Für einen erfolgreichen Start in das Frühjahr sollte sie bis zum Vegetationsende einen kräftigen Haupttrieb und in der Regel zwei bis drei Seitentriebe ausgebildet haben. Ein ausreichend entwickelter Bestand kann damit die Grundlage für eine gute Bestandesdichte und eine hohe Zahl ertragsbildender Ähren schaffen.
Daraus lässt sich jedoch nicht automatisch ableiten, dass eine Stickstoffdüngung im Herbst erforderlich ist. Entscheidend ist vielmehr, ob der Boden genügend pflanzenverfügbaren Stickstoff bereitstellt und ob die Gerste diesen aufgrund von Saattermin, Witterung und Entwicklungszustand überhaupt benötigt.
Nach Raps, Leguminosen oder einer gut mit Nährstoffen versorgten Vorfrucht können ausreichende Stickstoffmengen im Boden vorhanden sein. Auch die Mineralisierung organischer Substanz kann im Herbst einen erheblichen Beitrag leisten. Auf solchen Flächen ist eine zusätzliche Düngung häufig entbehrlich.
Anders kann die Situation nach einer stickstoffarmen Vorfrucht, bei geringer Mineralisierung oder bei einer verzögerten Bestandesentwicklung aussehen. In solchen Fällen kann eine gezielte, maßvolle (20 - 30 kg Njw) Herbstdüngung sinnvoll sein. Das ist jedoch kein allgemeiner Düngebedarf, sondern eine Orientierung für Situationen, in denen die Versorgung tatsächlich nicht ausreicht.
Anders kann die Situation nach einer stickstoffarmen Vorfrucht, bei geringer Mineralisierung oder bei einer verzögerten Bestandesentwicklung aussehen. In solchen Fällen kann eine gezielte, maßvolle (20 - 30 kg Njw) Herbstdüngung sinnvoll sein. Das ist jedoch kein allgemeiner Düngebedarf, sondern eine Orientierung für Situationen, in denen die Versorgung tatsächlich nicht ausreicht.
Versuche zeigen - Herbstdüngung bringt selten Vorteile
Mehrjährige wissenschaftliche Untersuchungen bestätigen dabei die differenzierte Betrachtung. Eine 2025 veröffentlichte Untersuchung im European Journal of Agronomy wertete Feldversuche aus den Jahren 2016 - 2024 aus. Dabei wurden unterschiedliche Stickstoffgaben im Herbst und Frühjahr sowie verschiedene Wintergerstentypen verglichen.
Das Ergebnis: Wenn die Stickstoffversorgung im Frühjahr ausreichend war, fiel der zusätzliche Effekt der Herbstdüngung auf den Ertrag gering aus. Die Autoren empfehlen daher, eine auf das Frühjahr konzentrierte bedarfsgerechte Stickstoffversorgung zum richtigen Zeitpunkt, um hohe Erträge mit einer günstigeren Stickstoffbilanz zu verbinden. Die Versuche unterstreichen, dass der Zeitpunkt der Düngung ebenso wichtig ist wie die Gesamtmenge. Eine gute Bestandesentwicklung im Herbst ist zwar wünschenswert, lässt sich aber nicht automatisch durch zusätzliche Stickstoffgaben verbessern.
Quelle: Bukowiecki et al. (2025), "Balancing economic and environmental goals in winter barley: the role of nitrogen timing and genotypes“, European Journal of Agronomy, Band 168.
Das Ergebnis: Wenn die Stickstoffversorgung im Frühjahr ausreichend war, fiel der zusätzliche Effekt der Herbstdüngung auf den Ertrag gering aus. Die Autoren empfehlen daher, eine auf das Frühjahr konzentrierte bedarfsgerechte Stickstoffversorgung zum richtigen Zeitpunkt, um hohe Erträge mit einer günstigeren Stickstoffbilanz zu verbinden. Die Versuche unterstreichen, dass der Zeitpunkt der Düngung ebenso wichtig ist wie die Gesamtmenge. Eine gute Bestandesentwicklung im Herbst ist zwar wünschenswert, lässt sich aber nicht automatisch durch zusätzliche Stickstoffgaben verbessern.
Quelle: Bukowiecki et al. (2025), "Balancing economic and environmental goals in winter barley: the role of nitrogen timing and genotypes“, European Journal of Agronomy, Band 168.
Fazit: So viel wie nötig, so wenig wie möglich
Eine pauschale Stickstoffdüngung im Herbst ist bei Wintergerste häufig nicht notwendig. Versuchsergebnisse zeigen, dass hohe Erträge auch ohne zusätzliche Herbstgabe erzielt werden können. Bei ausreichender Bodenversorgung ist der Verzicht daher sowohl wirtschaftlich als auch ökologisch sinnvoll.
Die Empfehlung lautet: Im Herbst nicht bzw. zurückhaltend düngen, den tatsächlichen Bedarf berücksichtigen und die Stickstoffversorgung im Frühjahr gezielt steuern. Das schont das Grundwasser und hilft, unnötige Düngerkosten zu vermeiden.
Die Empfehlung lautet: Im Herbst nicht bzw. zurückhaltend düngen, den tatsächlichen Bedarf berücksichtigen und die Stickstoffversorgung im Frühjahr gezielt steuern. Das schont das Grundwasser und hilft, unnötige Düngerkosten zu vermeiden.