Mehr Maissilage in der Ration?
Wie sich Trockenheit auf die Rationen auswirkt
Heuer gibt es deutlich maisreichere Rationen oder überhaupt Maissilage neu in der Ration von Wiederkäuern. Dabei sind einige Veränderungen in der Rationsgestaltung notwendig, um Leistung und Tiergesundheit zu erhalten. Die Fachgruppe Fütterung hat mit der ÖAG-Info 5/2021 “Rinderfütterung bei Trockenheit” eine 16-seitige Broschüre zur Fütterung von maissilagereichen Rationen zusammengestellt, die aktuell als Grundlage der Rationsgestaltung herangezogen werden kann.
Wenn Maissilage in der Ration erhöht wird
Beim Neueinstieg in die Maissilagefütterung sowie bei deutlicher Erhöhung des Maissilagenanteils in der Ration sollte unbedingt auf das Fachwissen von Fütterungsberatern und Berufskollegen zurückgegriffen werden. Es sind nämlich mehrere Änderungen in der Rationsgestaltung notwendig. Mais ist energiebetont und eiweißarm. Der Fasergehalt ist etwas niedriger als bei Grünlandaufwüchsen, der Mineralstoffgehalt sogar deutlich niedriger als bei Grassilagen oder Heu. Hinzu kommt, dass der heurige dürregeschädigte Mais eine andere Zusammensetzung als in normalen Jahren zeigt. Analysen im Futtermittellabor Rosenau zeigen heuer höhere Fasergehalte und weniger oder gar keine Stärke. Die Kraftfutterwahl ist deshalb an den Stärkegehalt der Maissilage anzupassen. Es ist eine Rationsberechnung auf Basis einer Futteranalyse notwendig.
Je mehr Mais, desto genauer auf Stärke und Struktur schauen
Mit steigendem Maissilageanteil müssen Rohprotein-, Struktur-, Faser- sowie Mineralstoffversorgung abgesichert werden. Luzernesilage oder -heu aber auch Feldfutter bzw. Kleegras sind besonders passende Ergänzungen: Sie liefert bei guter hygienischer Qualität rasch abbaubares Protein und Struktur. Die Einmischung von Stroh liefert auch Faser und Struktur, sollte bei leistungsstarken Kühen aber nicht über 1,5 kg steigen.
Mischration: Selektion unbedingt vermeiden
Hohe Maissilageanteile funktionieren besser in einer Mischration. Dabei soll der Trockenmassegehalt der Mischung bei ca. 38 % liegen, um die Selektion zu begrenzen. Bei zu trockenen Mischungen kann Wasser eingemischt werden.
Kraftfutter neu abstimmen – besser weniger Getreide
Mehr Maissilage liefert mehr Stärke, es sei denn, der Bestand hatte kaum Kolben ausgebildet. Wie der Zuckergehalt bei Graskonserven, soll bei Maissilage der Stärkegehalt bekannt sein, um die Kraftfutterergänzung planen zu können. Die Kombination aus rasch und langsam abbaubaren Energie- und Rohproteinkomponenten im Pansen muss abgestimmt sein. Übersteigt der Stärkegehalt der Gesamtration 25% müssen Getreide- und Körnermais durch Trockenschnitzel oder stärkearme Nebenprodukte ersetzt werden. Es droht sonst eine Acidose, also eine überhöhte Säureproduktion im Pansen. Hinsichtlich Eiweißergänzung sollen rasch abbaubare Kraftfuttermittel gewählt werden. Harnstoffhältige Eiweißkonzentrate passen sehr gut zu Maissilagen. Auch Ölkuchen passen durch ihren raschen Abbau sehr gut dazu. Neben der Rationsberechnung sind auch der Milchharnstoffgehalt und eventuelles Harnsaufen zu kontrollieren.
Achtung: Mineralstoffversorgung erhöhen
Die Mineralstoffversorgung ist bei maisbetonten Rationen deutlich zu erhöhen. 3-5 dag mehr Mineralfutter mit kalziumbetontem Mineralfutter ist zu empfehlen. Die tägliche Mineralfutterversorgung liegt üblicherweise zwischen 12 und 20 dag pro Tag zuzüglich Futterkalk und Viehsalz und ggf. Puffersubstanzen.
Getreideanteil im Frühjahr reduzieren
Mit zunehmender Lagerdauer verbessert sich der Stärkeaufschluss im Pansen. Im Frühjahr, also nach mehr als 6-monatiger Lagerung, ist die Stärkeabbaugeschwindigkeit im Pansen schon deutlich erhöht, weshalb hier die Kraftfutterergänzung maisbetonter erfolgen soll, der Getreideanteil im Kraftfutter soll also im Frühjahr reduziert werden.
Die Kuh selbst nicht vergessen
Es darf nicht nur die Ration am Papier beobachtet werden. Kontrollieren soll man die Futteraufnahme, Kotkonsistenz, Siebrückständen, Milchinhaltsstoffen und – wo vorhanden – Daten von Tiersensoren. Tägliche Schwankungen der Futteraufnahme, unverdaute Stärketeile und schwarze Blutklumpen im Kot sind Alarmsignale, die von akuter Darmschädigung stammen.
Maissilage: Was man am Betrieb kontrollieren sollte
| Kontrollpunkt | Was prüfen? | Warnsignal |
| Maissilage | Trockenmasse, Stärke, Energiegehalt | stark abweichende Werte im Futter |
| Nährstoffbilanzen der neuen Ration | Futteruntersuchung und Rationsberechnung | deutliche Abweichung zur aktuellen Ration |
| Kornaufschluss der Maissilage | Kübelprobe | Stärketeile im Kot oder Kotsieb |
| Kotsiebung | ||
| TMR | Trockenmassegehalt, Mischhomogenität | Selektion |
| Futterrest | ||
| Tier | Futteraufnahme, Kot, | Leistungsschwankungen, Gehaltsschwankungen, verringerte Wiederkauaktivität |
| Milchfett/-eiweiß, -harnstoff | ||
| Wiederkauen |