Guter Rat am Bauernhof
Am Hof wird oft über Erfahrung gesprochen. Über Routine, über das “erlernte Wissen“, das man mit den Jahren sammelt. Genauso häufig hören Junge, sie seien “noch nicht so weit“ - und Ältere, dass für etwas “jetzt doch nicht mehr der richtige Zeitpunkt“ sei. Doch zwei Menschen erzählen uns eine andere Geschichte: Maria, Ende fünfzig, und Paul, Anfang zwanzig. Ihre Wege sind verschieden. Ihre Wünsche
erstaunlich ähnlich.
Maria, 58: “Man kann alles lernen. Es braucht Mut, Zeit, Selbstvertrauen - und manchmal a bisserl Glück.“
Maria lacht, wenn sie über “die Technik“ spricht. “Früher hab ich gesagt: Das brauch ich nimmer lernen. Lenksystem und Aufzeichnungs-Apps - das sollen die Jungen machen.“ Bis sie eines Tages im neuen Traktor saß und sich gesagt hat: “Jetzt
probier ich’s einfach. Ich hab‘ mir gedacht: Schlimmer als schiefgehen kann’s ja nicht. Und dann ist’s gar nicht schiefgegangen. Mein Sohn musste es mir einfach nur in Ruhe erklären und öfters meine Fragen beantworten. Er war am Anfang
die persönliche Hotline.“ Heute fährt sie am Feld nur noch mit Lenksystem. Ohne Stress, ohne Angst. “Irgendwann hab ich kapiert: Das richtige Alter gibt es sowieso nicht! Es gibt nur das Beginnen und Immer-wieder-weiter-Lernen.“ Lange wollte
Maria auch ihre eigenen Bereiche am Hof. Die hat sie nun gefunden: “Die Ferkel liegen mir einfach. Ich seh auf den ersten Blick, wenn eines nicht ganz rund läuft.“ Und weil sie gut planen und zeichnen kann, ist sie mittlerweile auch die “Baustellen-
Planerin“ am Hof - seit Kurzem mit Tablet und eigener Zeichensoftware. “Früher hab ich gesagt: Dafür bin ich zu alt. Heute sag ich: Endlich mach ich’s selber - und zwar so, wie ich das will.“
Paul, 22: “Ich bin vielleicht jung - aber ich denk mir ja auch was dabei.“
Paul hilft seit seiner Lehrzeit am Hof seiner Eltern mit. Er macht alles, was anfällt - aber für die Kälber brennt er richtig: “Das ist einfach meins. Da fühl ich mich wohl und da kenn ich mich aus.“ Er möchte die Fütterung umstellen, behutsamer und
strukturierter gestalten. Paul meint: “Ich hab mir zwei andere Betriebe angeschaut. Die arbeiten mit dem System schon länger - und die Kälber entwickeln sich dort echt super. Ich würd‘ das gern bei uns auch probieren.“ Seine Eltern reagieren zurückhaltend. “Mein Papa sagt, die Umstellung ist zu heikel und ich soll noch ein bisserl mehr Erfahrung sammeln.“ Paul sagt das ruhig - aber man merkt, es beschäftigt ihn: “Ich versteh eh, dass sie vorsichtig sind. Ich will ja auch nichts riskieren. Aber
ich hätt‘ halt gern eine Aufgabe, die wirklich meine ist.“ Er lässt nicht locker. “Vielleicht geht’s nächstes Jahr. Ich bleib dran. Nur weil ich jung bin, heißt es ja nicht, dass ich nichts kann.“
Wenn die Jahre keine Rolle spielen - aber das Vertrauen schon
Maria und Paul trennen mehr als drei Jahrzehnte. Doch beide erzählen dasselbe: Es geht nicht darum, jung oder alt zu sein. Nicht darum, ob man schon oder noch nicht so weit ist. Sondern darum, ob jemand sagt: „"Ich seh dich. Ich trau dir was zu. Probier’s aus!“ Maria hat gelernt, dass Neues keine Altersgrenze kennt. Paul hofft, dass Verantwortung keine Wartezeit braucht. Beide zeigen auf ihre Weise: Das richtige Alter ist immer jetzt.
LQB
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