Grundfuttermangel: Strategien zur Ergänzung der Futtergrundlage
Zu Beginn muss festgehalten werden, dass – wenn möglich – mehrere Strategien parallel verfolgt werden müssen, um den Futtermangel so gut wie möglich abzufedern. Durch die Trockenheit sind die Grünlandbestände oftmals massiv geschädigt. Um im nächsten Jahr wieder gute Erträge erzielen zu können, ist eine Sanierung mittels Nachsaat oder eine Neuanlage des Grünlands notwendig. Weiter sollte über den früheren Abgang von Tieren, welche sowieso für den Verkauf angedacht sind, nachgedacht werden, um Futter zu sparen.
Prinzipiell gilt jedoch, dass die Tiere auch bei knappem Futtervorrat ausgefüttert werden müssen, da es ansonsten neben Leistungseinbußen auch zu Problemen mit der Tiergesundheit und der Fruchtbarkeit kommen kann. Hierbei ist es wichtig, hochwertige Futterpartien für die Tiere mit den höchsten Ansprüchen vorzuhalten und die Ration zum Beispiel bei Jungvieh und Trockenstehern mit Stroh zu strecken. In den meisten Fällen wird eine Mischung aus den genannten Möglichkeiten zweckmäßig sein.
Grundfutterzukauf
Beim Futterzukauf sollte nicht nur auf den Preis geachtet werden, sondern auch auf die Qualität der zugekauften Ware, denn oftmals ist nicht das billigste Futter auch das günstigste. Falls möglich, sollte das Futter vor dem Kauf mit den Sinnen beurteilt werden. Beim Ankauf von Heu bedeutet dies, dass es möglichst frei von Verunreinigungen (Mist, Erde) sein sollte. Weiters sind ein möglichst hoher Blattanteil und eine grüne Farbe wünschenswert. Der Geruch sollte aromatisch, keinesfalls jedoch muffig oder faulig sein. Denn auch bei knappen Futtervorräten darf verdorbenes Futter nie verfüttert werden.
Silage
Schwieriger stellt sich die Beurteilung bei Silagen dar, da diese zuerst geöffnet werden müssen. Entscheidend ist hier der Geruch. Bei einem angenehmen, aromatischen und leicht säuerlichen Geruch kann von einer guten Gärung ausgegangen werden. Silage, die ranzig, faulig oder muffig riecht, ist für die Verfütterung ungeeignet oder nur sehr bedingt tauglich. Am einfachsten zu handhaben sind beim Zukauf von Gras- und Maissilage Rundballen, da diese leicht zu transportieren sind und nicht nochmals einsiliert werden müssen. Wichtig dabei ist jedoch, dass die Ballen erst zirka sechs Wochen nach dem Silieren wieder bewegt werden sollten, um eine vollständige Gärung zu gewährleisten.
Beim Umsilieren von Fahrsilosilagen ist auf eine gute Wiederverdichtung sowie das penible Abräumen von verdorbenen Stellen zu achten, um ein sicheres Wiedereinsilieren zu gewährleisten. Hilfreich kann hierbei auch der Zusatz von Propionsäure sein, um einer eventuellen Nacherwärmung durch Hefepilze vorzubeugen. Wichtig ist es auch, die Silage für vier bis sechs Wochen geschlossen zu lassen, da eine erneute Gärung stattfindet.
Eine interessante Alternative bei knappem Futtervorrat kann der Zukauf von industriellen Nebenprodukten wie Biertreber, Kartoffelpülpe oder Rübenschnitzeln sein, falls diese verfügbar sind. Durch ihre zum Teil hohen Eiweiß- und Energiegehalte stellen sie eine gute Ergänzung zum Grundfutter dar. Für alle Saftfuttermittel gilt, dass diese auf einer befestigten Fläche oder in einem Siloschlauch einsiliert werden müssen, um einem möglichen Futterverderb vorzubeugen.
Rationsgestaltung
Grundsätzlich sollten die vorhandenen Futtervorräte so aufgeteilt werden, dass den ganzen Winter über eine möglichst konstante Ration gefüttert werden kann – immer unter der Voraussetzung, die Tiere voll auszufüttern. Die geringen Erntemengen machen es bei vielen Betrieben notwendig, die gewohnte Ration anzupassen.
Durch den Einsatz von Stroh können, je nach Tierkategorie, größere Mengen an Grundfutter gespart werden. Bei Kälbern und Jungvieh bis zu einem Jahr ist es möglich, Heu und Grassilage fast zur Gänze durch Stroh zu ersetzen. Dazu muss jedoch eine ausreichende Menge eines eiweißreichen Kälberkraftfutters verfüttert werden, um die Eiweißversorgung sicherzustellen. Vorbild für diese Art der Rationsgestaltung ist die Fütterung einer Kälber-TMR.
Bei älteren Jungtieren und trockenstehenden Kühen sind ebenfalls Strohanteile bis zu 50 Prozent möglich. Dann muss jedoch auch diesen, anders als üblich, Kraftfutter zugefüttert werden, um den geringen Energie- und Eiweißgehalt von Stroh auszugleichen. Bei laktierenden Kühen ist von der Verfütterung von Stroh in größeren Mengen abzuraten, da für den Ausgleich zu große Kraftfuttermengen benötigt würden. Am besten gefressen wird Haferstroh (auch lang), dieses ist jedoch heuer nur sehr schwer verfügbar. Für die Verfütterung eignen sich auch alle anderen Stroharten. Dabei gilt, dass dieses kurz geschnitten und von einwandfreier Qualität sein muss (frei von Schimmel und erdigen Verschmutzungen).
Eine weitere Möglichkeit, Grundfutter zu ersetzen, ist der Einsatz von Gras- und Maiscobs. Dabei ist aufgrund der fehlenden Strukturwirkung jedoch Vorsicht geboten. Cobs verhalten sich im Pansen wie Kraftfutter, daher sollten zu große Mengen vermieden werden, um einer Pansenübersäuerung vorzubeugen. Beim Einsatz von alternativen Futtermitteln und Stroh sollten immer deren Einsatzgrenzen sowie deren oftmals geringe Gehalte an Mineralstoffen und Spurenelementen beachtet und im Bedarfsfall ergänzt werden.
Abschließend bleibt festzuhalten, dass sich jeder Betrieb bereits jetzt mit dem Umgang mit den knappen Winterfuttervorräten beschäftigen muss. Dabei sollte zuerst abgeschätzt werden, für welche Tierkategorien das eigene Futter reicht und für welche zugekauft werden muss. Wenn genügend hochwertiges Futter für die Milchkühe geerntet werden konnte, kann es fürs Jungvieh genügen, günstigeres Heu und Stroh zuzukaufen. Ist jedoch die Futtergrundlage für die Milchkühe nicht ausreichend, muss hochwertiges Futter zugekauft werden. Hier können alternative Futtermittel wie Biertreber oder Rübenschnitzel eine wertvolle Ergänzung darstellen. Im Fall von Heumilchbetrieben ist eventuell der Zukauf von heißluftgetrocknetem Heu interessant, da dadurch Kraftfutter eingespart werden kann.
Jedenfalls sollte keine Änderung der Ration „aus dem Bauch heraus“ durchgeführt werden. Eine Rationsberechnung kann helfen, Fütterungsfehler vorzubeugen. Wir helfen Ihnen gerne dabei!
| Futtermittel | Eigenschaften & Funktion | Einsatz-Empfehlung / Limitierung |
| Futterstroh | Rein mechanischer Rohfaser- und Strukturlieferant | Beim älteren Jungvieh bis über 50 % der Ration möglich – Ausgleich mit Kraftfutter und Melasse für die Schmackhaftigkeit. |
| Biertreber | Eiweißreich, schmackhaft | Siliert; max. 6 - 8 kg je Kuh und Tag. |
| Trockenschnitzel | Schmackhaft, energiereich, verbessert die Gesamtaufnahme | Bis zu 4 kg je Kuh und Tag einsetzbar. |
| Zwischenfrüchte | Wasser- und eiweißreich, jedoch sehr strukturarm | Rationsgestaltung genau beachten! |
| Futterkartoffeln | Energiereich; müssen sauber sein | Am besten schichtweise mit Gras- oder Maissilage einsilieren. |