Forschung für klimafitte Wiesen
Ein leistungsfähiger und dem Standort angepasster Dauergrünlandbestand mit einer dichten Grasnarbe und einem ausgewogenen Artenverhältnis ist eine der zentralen Grundlagen für eine nachhaltige und wirtschaftlich erfolgreiche tierische Produktion. Diese Grünlandflächen erfüllen darüber hinaus eine Vielzahl wesentlicher Ökosystemleistungen: Biodiversität, Trinkwasserschutz, Wasserrückhalt, Kohlenstoffbindung, Erosionsschutz sowie landschaftsökologische und kulturelle Werte. Durch klimatische Veränderungen, die mit Temperaturanstiegen, ungünstigeren Niederschlagsverteilungen und längeren Dürreperioden einhergehen, geraten Grünlandbestände zunehmend unter Druck. Während die Kräuter und Leguminosen aufgrund ihres teilweise sehr tief reichenden Wurzelsystems nicht so stark betroffen sind, ist das vergleichsweise seichte Wurzelsystem der Gräser ein Nachteil in längeren Trockenphasen. Um die Bestände auch in Zukunft stabil zu halten, kann eine Anpassung des Pflanzenbestandes notwendig werden. Es gibt dabei unterschiedliche Möglichkeiten wie diese erfolgen könnten. Um einige davon zu untersuchen wurde das Projekt Seedmix ins Leben gerufen.
Material und Methoden
Die Untersuchungen wurden im Zeitraum von 2019 - 2024 an sieben Versuchsstandorten in Österreich durchgeführt, wovon fünf konventionell und zwei biologisch bewirtschaftet wurden. Diese wurden so ausgewählt, dass die unterschiedlichen klimatischen Ausgangsbedingungen innerhalb des Bundesgebiets möglichst gut repräsentiert wurden.
Die getesteten Dauergrünland-, Wechselwiesen- und Feldfuttermischungen wurden in Abhängigkeit des Standorts in einem Vier- und/oder Fünfschnitt-System geführt. Dabei wurde untersucht, wie sich ÖAG-Qualitätssaatgutmischungen von Mischungen der Qualitätsstufe Saatgut-Austria in Bezug auf die Ertragsfähigkeit, die Futterqualität und die Ausdauer von intensiven Grünlandbeständen unterscheiden. Die ÖAG-Mischungen enthalten dabei ausschließlich in Österreich geprüfte und empfohlene Sorten und unterliegen erhöhten Qualitätsanforderungen, während die Saatgut-Austria-Mischungen zwar dem österreichischen Mischungsrahmen entsprechen, die Auswahl der Sorten jedoch nicht geregelt ist.
Weiters sollte untersucht werden, ob der Wiesenschwingel durch trockenheitstolerantere Arten wie Rohrschwingel oder Festulolium sinnvoll ersetzt werden kann.
Weiters sollte untersucht werden, ob der Wiesenschwingel durch trockenheitstolerantere Arten wie Rohrschwingel oder Festulolium sinnvoll ersetzt werden kann.
Ergebnisse und Diskussion
- Pflanzenbestand und Nutzungsintensität
Die Ergebnisse zeigten aber auch, dass intensive Nutzungssysteme nur dann nachhaltig funktionieren, wenn sie konsequent an die Standortbedingungen angepasst werden. In niederschlagsreicheren Lagen konnten höhere Nutzungsintensitäten gut umgesetzt werden, während in trockeneren Regionen eine flexible Anpassung der Nutzung notwendig ist, um Stressphasen für die Bestände zu vermeiden. Damit bestätigt das Projekt die zentrale Rolle einer standortangepassten Bewirtschaftungsintensität für eine langfristig stabile Grünlandbewirtschaftung.
Im Vergleich der eingesetzten Grünland- und Feldfuttermischungen zeigten sich weniger deutliche Unterschiede als ursprünglich erwartet. Über mehrere Standorte und Nutzungsjahre hinweg konnten sehr unterschiedliche Mischungstypen - von Dauerwiesen-, über Wechselwiesen- bis hin zu Feldfuttermischungen - vergleichbare Erträge und Qualitäten erzielen. Überraschend war, dass auch Mischungen, die ursprünglich für extensivere Nutzung empfohlen sind, unter intensiver Bewirtschaftung stabile und konkurrenzfähige Leistungen erbrachten.
- Saatgutqualität
Auch in Bezug auf Ertrag und Futterqualität (Abbildung 1) erwiesen sich ÖAG-Mischungen langfristig als überlegen. Die Ergebnisse zeigen damit klar, dass sich der Einsatz geprüfter, standortangepasster Sorten vor allem unter intensiver Nutzung und bei zunehmendem klimatischem Stress, positiv auswirkt. Höhere Saatgutqualität trägt somit wesentlich zur Ertragssicherheit, Ausdauer und Konkurrenzkraft im Grünland bei.
- Substitution des Wiesenschwingels
Festulolium zeigte vor allem in den ersten Nutzungsjahren eine gute Etablierung und teilweise positive Effekte auf den Ertrag. Mit zunehmender Nutzungsdauer verlor diese Art jedoch an Bedeutung. Insgesamt konnte keine generelle Empfehlung für einen vollständigen Ersatz des Wiesenschwingels abgeleitet werden.