Der Fütterung auf den Zahn gefühlt
Der vergangene Winter war auf vielen Betrieben gekennzeichnet durch schwache Futterqualitäten aus dem Jahr 2024. Der Umgang damit stellte und stellt immer noch viele Landwirt:innen vor große Herausforderungen. Um mit solchen Situationen bestmöglich umzugehen, können folgende Tipps hilfreich sein:
Bei schwachen, nicht einzuschätzenden Futterpartien ist eine Grundfutteruntersuchung meist noch wichtiger als bei gutem Futter. Grund dafür ist die schwierige Beurteilung der tatsächlichen Qualität, da vor allem bei älterem und verregneten Futter die Energie- und Proteingehalte nur schwierig abzuschätzen sind.
Durch eine Futteruntersuchung ist es im Vorhinein möglich, extreme Ausreißer bei den Milchinhaltsstoffen zu vermeiden.
Trotz reiferem Futter haben viele Betriebe große Probleme, zufriedenstellende Fettgehalte in der Milch zu erreichen. Der Grund dafür liegt in zu niedrigen Futteraufnahmen bei älterem Futter und gleichzeitig oftmals auch an einer falschen Auswahl an Kraftfutter. Ziel sollte es sein, die Grundfutteraufnahme möglichst hochzuhalten durch häufiges Nachschieben, einen großzügigen Futterrest und ein Verschneiden von besseren und schlechteren Futterpartien. Im Fall von Grassilage kann auch eine kleine Menge Kraftfutter als Lockfutter verwendet werden.
Bei der Auswahl des Kraftfutters sollte einerseits auf einen Anteil an schonenden Komponenten wie Körnermais, Rübenschnitzel oder Kleien geachtet werden. Andererseits dürfen die Mengen pro Gabe 1,5 bis 2 kg nicht übersteigen, um zu große pH-Wert Schwankungen im Pansen zu vermeiden, da sich diese Schwankungen direkt auf die Gesundheit und die Bildung von Milchfett der Tiere auswirken. Bei der Ergänzung mit Kraftfutter muss außerdem auf den passenden Rohproteingehalt geachtet werden. Als Orientierung kann hier der Harnstoffwert der Milch verwendet werden: Bei tiefen Gehalten unter 15 mg/100ml ist der Rohproteingehalt des Kraftfutters zu gering, bei Werten deutlich über 25 mg/100ml zu hoch. Für eine genauere Auswahl empfiehlt es sich, eine Rationsberechnung durchzuführen, wobei hier Futteruntersuchungen die Grundlage bilden.
Um die tägliche Arbeit laufend zu verbessern, ist eine Kontrolle der Fütterung unabdingbar. Hilfsmittel dazu sind der LKV Tagesbericht beziehungsweise die Molkereiproben, die Beurteilung der Kotkonsistenz oder auf immer mehr Betrieben auch Sensorsysteme.
Der Kot kann nicht nur hinsichtlich seiner Konsistenz beurteilt werden, sondern auch mit Hilfe eines handelsüblichen Nudelsiebs ausgewaschen werden. Ist der Waschrückstand gering und kurzfasrig, ist von einer guten Verdauung auszugehen. Sind längere und viele Fasern oder gar Ablösungen von Schleimhäuten zu finden, sollte die Fütterung überprüft werden.
Ein weiterer Bestandteil einer erfolgreichen Fütterung ist die notwendige Ergänzung mit Mineralstoffen und Spurenelementen. Viehsalz alleine oder die Zusätze im Kraftfutter sind meist nicht ausreichend. Zur Versorgung der Tiere empfiehlt es sich, Mineralfutter oder Lecksteine anzubieten, wobei bei Lecksteinen eine sichere Aufnahme von jedem Tier nicht gewährleistet werden kann.
Neben der Arbeit im Stall sollte auch die Grundlage für die Fütterung nicht vergessen werden: Ausgewogene Pflanzenbestände mit einem stabilen Grasgerüst und einem guten Anteil an Klee bilden die Ausgangsbasis für gutes Grundfutter. Um dies langfristig zu erhalten, sollte auf eine entsprechende Düngung und Versorgung mit Kalk geachtet werden, eine Hilfestellung hierzu bietet die Grünlandberatung der LK Tirol.
Bei der Futterernte ist auf eine möglichst saubere und zügige Ernte zu achten. Lange Feldliegezeiten vermindern bei Heu und bei Silage die Qualität des Futters.
Bei der Heuwerbung kann eine Trocknungsanlage hilfreich sein, um auch kurze Schönwetterphasen ausnutzen zu können. Bei der Silagebereitung sollten die Silierregeln wie ausreichendes Anwelken, ein kurzer Schnitt und eine hohe Verdichtung beherzigt werden.
Veranstaltungstipp:
Webinar:
Den Tagesbericht richtig interpretieren – Stoffwechselprobleme erkennen und vorbeugen
Am 27.3.25 Online
Anmeldung: https://tirol.lfi.at/webinar-tagesbericht-richtig-interpetieren-stoffwechselprobleme-erkennen-vorbeugen+2500+2862602+++2862603
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