Das Wasser ist das Öl der Zukunft
“So wie Hagelnetze Standard geworden sind, werden auch Wasserzugang und Frostschutz Standard werden müssen“, zeigte sich Manfred Kohlfürst, Obmann des Branchenverbands für Obst und Gemüse (ÖBOG) und selbst Obstbauer in der Steiermark, überzeugt. Und auch auf den anderen bei der Pressefahrt besuchten Betrieben gehörte die Klimawandelanpassung zu den bestimmenden Themen - neben dem Ringen um Arbeitskräfte und Pflanzenschutzmittel.
Spätfröste und Schäden steigen
Während im Gemüsebau mittlerweile mehr als 95% der Flächen bewässert werden, sind es im Obstbau laut ÖBOG-Einschätzungen erst rund 40%. Aufgrund der Standortgegebenheiten ist Wasser im Obstbau nicht immer verfügbar bzw. dessen Bereitstellung mit hohen Investitionen verbunden. Dauer- oder Spezialkulturen wie Kern- und Steinobstbäume gelangen auch an tieferliegendes Wasser. 15% der Obstflächen verfügen mittlerweile über die Möglichkeit einer Frostberegnung, Tendenz steigend. “Das ist notwendig. Alleine heuer hatten wir bereits dreimal Spätfröste“, berichtete Josef Kurz, Landesdirektor Steiermark der Österreichischen
Hagelversicherung (ÖHV). Heutzutage beginnt die Vegetationsperiode rund zwölf Tage früher als 1992, verbunden mit einer erhöhten Spätfrostgefahr. “Wasser ist das Öl der Zukunft“, zeigte sich auch Kohlfürst überzeugt.
Hagelversicherung (ÖHV). Heutzutage beginnt die Vegetationsperiode rund zwölf Tage früher als 1992, verbunden mit einer erhöhten Spätfrostgefahr. “Wasser ist das Öl der Zukunft“, zeigte sich auch Kohlfürst überzeugt.
Gemeinsame Teichprojekte
Da nicht jeder Betrieb Zugang zu Wasser hat und die Infrastruktur oft sehr teuer ist, setzen immer mehr auf Kooperationen. Eines der größten in letzter Zeit umgesetzten Projekte ist der gemeinsam angelegte Teich der Apfelbaubetriebe Schreiner, Darnhofer und Rasser in Puch bei Weiz. “Wir merken, dass sich das Klima verändert. Im Jahr 2024 hatten wir hier eine große Missernte, wie wir sie in diesen Gunstlagen bis dahin
nicht kannten. Hätten diese Betriebe heuer nicht Frostschutzmaßnahmen ergriffen, wäre vermutlich wieder ein Großteil der Ernte ausgefallen“, betonte Herbert Muster, Obstbaureferatsleiter der LK Steiermark, Nachsatz: “Wir hoffen, dass dieses Projekt Nachahmer findet.“
nicht kannten. Hätten diese Betriebe heuer nicht Frostschutzmaßnahmen ergriffen, wäre vermutlich wieder ein Großteil der Ernte ausgefallen“, betonte Herbert Muster, Obstbaureferatsleiter der LK Steiermark, Nachsatz: “Wir hoffen, dass dieses Projekt Nachahmer findet.“
Wasser im Kreislauf halten
“Das Teichvolumen umfasst ca. 19 Mio. Liter. Unser Projekt wird zur Gänze aus Drainagen und Oberflächenwässern gespeist“, berichtete Wolfgang Schreiner, der mit seiner Frau Sabine einen der drei Betriebe leitet und auf 8 ha Bioäpfel anbaut. Ein besonderer Fokus wurde darauf gelegt, das wertvolle Nass möglichst lange im Kreislauf zu halten. “Wir hatten heuer bereits vier Beregnungsnächte. Das Projekt hat
sich somit bereits bezahlt gemacht“, so Schreiner. “Wichtig ist, dass unter den Betrieben vorher ganz klare Spielregeln definiert werden. Am Ende des Tages muss jeder das Gefühl haben, dass es ihm einen Mehrwert bringt.“ So werden die laufenden Kosten nach dem Verursacherprinzip aufgeteilt. Insgesamt hat die Teichanlage samt Technik rund 1 Mio. Euro gekostet, wovon ein nennenswerter Teil gefördert wurde.
sich somit bereits bezahlt gemacht“, so Schreiner. “Wichtig ist, dass unter den Betrieben vorher ganz klare Spielregeln definiert werden. Am Ende des Tages muss jeder das Gefühl haben, dass es ihm einen Mehrwert bringt.“ So werden die laufenden Kosten nach dem Verursacherprinzip aufgeteilt. Insgesamt hat die Teichanlage samt Technik rund 1 Mio. Euro gekostet, wovon ein nennenswerter Teil gefördert wurde.
Erstmals wieder positiver Drive
“Im Obstbau haben wir ein Jahr nach dem anderen mit Frösten und Ernteausfällen erlebt. Gleichzeitig gibt es Junge, die weitermachen wollen und höchst professionell unterwegs sind. Daher haben wir uns trotz des angespannten Budgets entschlossen, ein Top-Up für die Frostberegnungs-Förderung auf den Weg zu bringen“, berichtete die steirische Agrarlandesrätin Simone Schmiedtbauer, die sich über die sehr gute Annahme der Förderung freut. “Erstmals ist wieder ein positiver Drive durch die Branche gegangen“, zeigt sich Schmiedtbauer zuversichtlich. Als Nächstes will sie dann den Gemüsebereich anpacken.
Neue Chancen nützen
Dabei arbeitet das Land Hand in Hand mit der Landwirtschaftskammer, die den Betrieben mit professionellen Bildungs- und Beratungsangeboten zur Seite steht, wie LK Steiermark-Präsident Andreas Steinegger darlegte. Ein Fokus wird auch auf begleitende Studien gesetzt, um bestmögliche Maßnahmen setzen zu können. Steinegger betonte, wie wichtig es sei, bei all den klimatischen Verschärfungen auch etwaige Chancen zu erkennen und zu nützen. Da sich die Anbaubedingungen ändern, können Möglichkeiten für neue bzw. andere Kulturen und Sorten entstehen.
Arbeitskräfte und Werkzeuge
Neben dem Klima bleiben auch der Pflanzenschutz und die Arbeitskräfte-Situation herausfordernd. Selbst wenn in jüngster Zeit auf nationaler Ebene gewisse Verbesserungen gelungen seien, müsse auch die EU endlich handeln, den Wegfall von Wirkstoffen stoppen und wieder neue zulassen, so ÖBOG-Obmann Kohlfürst: “Wir brauchen Werkzeuge, um produzieren zu können.“ Dauerbrenner sind auch das Ringen um genügend Arbeitskräfte, die zunehmend aus Drittstaaten wie Sri Lanka und Nepal kommen, und die hohen Lohn(neben)kosten. Gefordert wird aber auch eine praktikable und ausreichend ausgestattete Gemeinsame Agrarpolitik ab 2028.